Chefböcke

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„Siehst Du, das ist ein uralter Bock!”, urteilt der Chef (Vitruan)„… das Gehörn ist gerade mal lauscherhoch (so hoch wie die Ohren) und hat nicht einmal eine vollständige Rose (grobporiger Hornkranz am Stangenanfang).

Auch sind die sechs Enden höchstens einen Zentimeter lang. Und jede Stange ist oben breiter gewachsen als unten. Aber er ist noch gut beieinander, so zwanzig Kilo Gewicht … hat der bestimmt! Trotz seines hohen Alters von … äh, acht Jahren.“

Kurzes andächtiges Schweigen unterbricht das Expertengutachten. Und der Wiesenbubi ist es schließlich, der das Hauptbeweisstück zur Alterstaxierung aus der blutigen Wildwanne fischt. Zwischen Daumen und Zeigefinger hält er einen dreiteiligen vorderen Backenzahn (Dieser Zahn: der sogenannte P3 ist im ersten Rehlebensjahr als Milchzahn dreiteilig und wechselt nach zwölf Monaten in einen zweiteiligen Dauerzahn).

Erstaunt ruft er:

„Do schau - a Zahn! Um Himmels Willen, der Krippel is scho so alt, dass er die Zähn verliert!”

„So was muss weg!”, rülpst Vitruan verächtlich und knallt die Heckklappe zu. Plötzlich wird er kreidebleich im Gesicht.

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